Strategie-Wechsel bei Thor Steinar – (Über)regionale „Ladenschluss“-Vernetzung

Eröffnung der 8. „Thor-Steinar“-Filiale bundesweit & offensiver Vertrieb von Bekleidung mit der alten „Wolfsangel“-Symbolik bleibt nicht unwidersprochen. Ladenschluss-Bündnisse vernetzen sich

Am 28.2.2009 eröffnete im Berliner Stadtteil Friedrichshain die nunmehr dritte Thor-Steinar-Filiale. Bereits Anfang 2008 eröffnete das „Tönsberg“ in der Rosa-Luxemburg-Strasse, seit August 2008 fungiert der Laden“Doorbreaker“ im Lichtenberger Ring-Center als offizielle Thor-Steinar-Filiale. Gegen beide Läden sind Räumungsklagen anhängig.

In der Petersburger Str. 94 tut sich seit der samstäglichen Eröffnung des Thor-Steinar-Ladens ein neues Aktionsfeld für AntifaschistInnen auf. Rund 20o protestierten am 28.2. bereits gegen die Eröffnung des Ladens. Rund 200 Menschen protestierten dort am 28.2.

Mit dem so genannten „Outlet“ in Berlin-Friedrichshain hält Thor Steinar, mit seinen Firmen Mediatex bzw. Protex, bundesweit nunmehr acht Filialen vor (Dresden, Leipzig, Erfurt, Magdeburg Nürnberg und drei in Berlin). Gegen drei der existenten Läden sind Räumungsklagen anhängig, darüber hinaus hat Mediatex im Fall des inzwischen geräumten „Narvik“ im Magdeburger Hundertwasserhaus nach eigenen Angaben im Dezember 08 Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Naumburg eingelegt.
Konkret geht es um den Vorwurf der „arglistigen Täuschung bei Abschluss des Mietvertrages“, dem Vorenthalten von Informationen über das konkrete Verkaufangebot gegenüber den VermieterInnen. Die Landgerichte in Magdeburg, Leipzig und Berlin gaben im Februar, November bzw. Oktober 2008 den VermieterInnen Recht.

Gegen das Urteil des Leipziger Landgerichtes legte Uwe Meusel mittlerweile Berufung ein. Die Verhandlung am Oberlandesgericht in Dresden wird am 17.3.2009 stattfinden.

Thor Steinar gibt sich, trotz der vielfältigen gerichtlichen Auseinandersetzungen und Niederlagen, selbstbewusst. Die Affinität zu politisch rechten Milieus wurde von den Thor-Steinar-Protagonisten niemals glaubhaft dementiert. Seit kurzem wird von Meusel die so genannte „Outlet“-Kollektion mit dem alten „Thor Steinar“-Logo vermarktet. Das stark an die so genannte Wolfsangel erinnernde Logo, das u.a. dem „Deutschen Jungvolk“ als Vorläufer der Hitler-Jugend als Symbolik diente, wurde zuerst vom Amtsgericht Königs-Wusterhausen nach § 86aStgb (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) verboten. Die in verschiedenen Bundesländern folgenden Verbote wurden nach und nach aufgehoben (so durch das Brandenburgische Oberlandesgericht im September 2005, das Berliner Kammergerichts im Dezember 2006, das Oberlandesgericht Dresden im Februar 2008 und das Oberlandesgerichts Naumburg im Juni 2008). Auch in Tschechien gilt das Verbot des alten Marken-Logos inzwischen nicht mehr.

„Thor Steinar versucht offensichtlich die Strategie sich als unpolitische, ganz normale Modemarke zu präsentieren zu revidieren. Massive Proteste und zahlreiche Klagen haben diesen, auch profitorientiert motivierten Vorstoß vereitelt. Ein Blick in die neuen Kollektionen zeigt, dass mit Thor Steinar-Lifestyle weiterhin mehr oder weniger subtil der Nationalsozialismus und Gewalt verherrlicht werden.
Die Verwendung des alten, ehemals verbotenen Logos verweist darauf, dass Thor Steinar Kapital aus seinem schlechten Image zu schlagen versucht. Die zweifelhafte Marke kann dabei auf die KäuferInnen und VermieterInnen bauen, die genau wissen welche politische Botschaft sie sich mit dem Tragen der Marke anheften.“, schätzt das „Ladenschluss“-Bündnis Leipzig ein.

Das Bündnis arbeitet – gerade vor dem Hintergrund des Strategiewechsels und der Expansion von Thor Steinar intensiv an der regionalen und bundesweiten Vernetzung mit Kampagnen und Initiativen gegen die bei Nazis beliebte Marke. Für den 17.3.2009 ist eine gemeinsame Aktion mit dem „Ladenschluss“-Bündnis in Dresden geplant. Am selben Tag findet am OLG Dresden die Berufungsverhandlung zum Urteil des Landgerichtes Leipzig in Sachen „Tönsberg“ Leipzig statt.

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