Die extreme Rechte mitten in der Stadt

Aus aktuellem Anlass – der Ankündigung einer weiteren AfD-Veranstaltung am 18.08.2026 in der Alten Handelsbörse – veröffentlichen wir hier einen aktualisierten Redebeitrag, der ursprünglich auf unserer antifaschistischen Fahrradtour im Oktober 2025 gehalten wurde:


Das Gebäude im barocken Stil mitten in der Leipziger Innenstadt ist die sogenannte Alte Handelsbörse. Das Mitte des 17. Jahrhunderts erbaute Gebäude gilt als eine der ältesten Versammlungsstätten in Leipzig. Dabei war die Alte Handelsbörse, wie der Name vermuten lässt, stets ein Symbol des Kapitals, waren es doch Großhändler, die den Bau veranlassten. Sie wollten sich dort nach dem Abschluss ihrer Geschäfte treffen, weil ihnen der Markt zu ärmlich war. Um 1900 herum diente der Saal zeitweise als Sitzungslokal für die Stadtverordneten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude teilweise zerstört, danach wieder aufgebaut und seit den 60ern als Veranstaltungsraum genutzt.

Laut Stadtmarketing fungiert das Gebäude heute „vorwiegend für musikalische und literarische Veranstaltungen, wissenschaftliche und Fachvorträge, Firmenpräsentationen und Tagungen, festliche Empfänge und private Feiern“.

Da stellt sich uns als kritischen Antifaschist*innen die Frage, wo genau in der Aufzählung extrem rechte Parteiveranstaltungen einzuordnen sind. Das Dokumentationsarchiv von chronik.le zählt mindestens sechs öffentlich beworbene Veranstaltungen der AfD, die seit 2017 in den Räumen der Alten Handelsbörse stattgefunden haben. Darüber hinaus gab es noch mindestens zwei weitere AfD-nahe Veranstaltungen in dem Gebäude: Zum einen eine Lesung mit dem Rassisten Thilo Sarrazin im Jahr 2016 zum anderen eine Wahlkampfveranstaltung der WerteUnion mit dem rechten ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen im Jahr 2024. Auch Verschwörungsideologen sind scheinbar gern gesehene Gäste. Zuletzt begrüßte man im März 2026 Wolfgang Wodarg, der pseudomedizinischen Blödsinn erzählen durfte. (1)

Der Blick auf die AfD-Veranstaltungen zeigt, dass es sich hierbei nicht um unbedeutende kleine Saalveranstaltungen gehandelt hat, sondern Wahlkampf von ganz rechts außen betrieben wurde. Inhaltlich stand man stets dem völkisch-nationalistischen Flügel der Partei nahe:
Geladen war unter anderem schon Jörg Urban, Vorsitzender der AfD Sachsen, der immer wieder mit seinen völkischen Überzeugungen hervortritt und rassistische Verschwörungserzählungen bedient. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Leipziger Siegbert Droese, mittlerweile EU-Abgeordneter, der einen Hang zu nationalsozialistischer Symbolik hat und einen der führenden Köpfe der Identitären Bewegung beschäftigte. Auch Alexander Wiesner aus Nordsachsen trat schon mehrfach auf. Wiesner wiederum hatte zwei der mutmaßlichen Rechtsterroristen der „Sächsischen Separatisten“ als Mitarbeiter angestellt. Aktuell geistert sein Name als möglicher AfD-Kandidat für die Leipziger Oberbürgermeister*in-Wahl 2027 durch die Medien. Zudem war Karsten Hilse vor Ort – der extrem rechte Cop aus Hoyerswerda, der sich auch gern mal die Bühne mit den Neonazis der „Freien Sachsen“ teilt.

Die letzte Veranstaltung der AfD fand im Februar 2025 in der Handelsbörse statt. Im Zuge des Bundestagswahlkampfes sprachen der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla, sowie die beiden Leipziger Stadträte Christian Kriegel und Christoph Neumann, die beide auf eine Vergangenheit in der antikommunistischen und aslyfeindlichen Partei „DSU“ zurückblicken können. Auch Neumann hatte 2020 schon versucht, Oberbürgermeister zu werden, und ist dabei grandios gescheitert.

Für den 18.08. ist nun wieder einmal Jörg Urban angekündigt sowie MdL Holger Hentschel. Hentschel ist nicht nur vorne dabei, wenn es gegen die Unterbringung von Geflüchteten geht, sondern marschierte 2022 noch montags zusammen mit Neonazis über den Ring.

Ihr seht, wer sich die AfD ins Haus holt, bekommt völkischen Nationalismus, Rassismus und sogar Nähe zu Rechtsterrorismus.

Und kommt uns jetzt nicht mit „Neutralitätsgebot“. Niemand ist gezwungen der extremen Rechten die Türen zu öffnen und bereitwillig Räume zur Verfügung zu stellen. Schon gar nicht ein Stadtgeschichtliches Museum, über welches die Vermietung der Alten Handelsbörse läuft. In der Auseinadersetzung mit dem historischen Gewordensein der Stadt Leipzig sollte man es eigentlich besser wissen. Vielleicht sollten die Verantwortlichen nochmal ihr eigenes Leitbild lesen und die Worthülsen „emanzi­patorische Werte“ und „Ablehnung guppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ mit Leben füllen. (2)

Wir können es nur immer wieder betonen. Wer der AfD Räume bereitstellt, trägt zu ihrer Normalisierung bei und stärkt sie letztendlich. Wer sich dabei auf eine vermeintliche Neutralitätspflicht beruft, geht einem extrem rechten Diskurs auf den Leim, der zum Ziel hat, dem Kampf gegen den Faschismus die Zähne zu ziehen. Es gibt kein Gesetz, das verbieten würde, die AfD auszuschließen, sie zu entlarven und sich gegen ihre Politik zu positionieren. Wir fragen uns, wann das endlich auch bei der sich als demokratisch verstehenden Handelsbörse ankommt.

Jede Veranstaltung der AfD ist eine potentielle Gefahr für all jene Menschen, die nicht in das faschistische Weltbild der Partei passen. Unsere Aufgabe kann es nur sein, solidarisch an der Seite genau dieser Menschen zu stehen und Druck auf die extrem rechte Partei auszuüben und die Orte in den Blick zu nehmen, die ihr diese Raumnahme überhaupt erst ermöglichen. Mit Blick auf die letzte AfD-Veranstaltung im Februar 2025 ist daher auch der antifaschistische Gegenprotest mit über 1000 Menschen als ein positives Beispiel zu nennen.

Liebe Antifaschist*innen, rechnet also auch in Zukunft damit, hier hin und wieder vorbeischauen zu müssen.


Für den 18.08.2026 laden die “Omas* gegen rechts” zur Gegenkundgebung, 17:30 Uhr auf dem Naschmarkt.


(1) https://chronikle.org/ereignisse?search=handelsb%C3%B6rse 
(2) https://www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de/museum/leitbild/
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