Bereits Mitte letzten Jahres hatte das Ladenschlussbündnis auf die problematische Konzertentwicklung im Leipziger Felsenkeller aufmerksam gemacht. (1) Anlass für uns waren das bereits im Januar 2025 stattgefundene Neofolk Konzert mit der NS-Ästhetik reproduzierenden Band “Death in Rome”, sowie anderweitig fragwürdige Künstler*innen in den darauf folgenden Monaten.
Daher haben wir es begrüßt, als sich Ende letzten Jahres die Nachbar*innenschafts-Initiative “Leipzig gegen rechts” gegründet hat, um auf ein erneutes rechtes Neofolk-Konzert, diesmal im Januar 2026, aufmerksam zu machen. Zu den Bands, dem Veranstalter und den Umtrieben im Felsenkeller wurde genug geschrieben. (2)
Wir haben den offenen Brief von “Leipzig gegen rechts” solidarisch mitgezeichnet, auch wenn wir die Konzertabsage mitnichten für realistisch gehalten haben. Das Problem des Felsenkellers ist keines des Nichtwissens, das man durch Aufklärung beseitigen kann, sondern eines der Ignoranz.
Entsprechend haben die Verantwortlichen kaum inhaltlich auf die Kritik reagiert, sondern sind vor allem durch Abwehrreflexe und Verleugnung der Recherchen in Erscheinung getreten. In einem Statement, welches kurzzeitig auf der Website des Felsenkellers zu finden war, wähnte man sich schon als Opfer einer geplanten Verschwörung. So wurde im weiteren Verlauf der Debatte die konkrete Kritik an einer rechten Veranstaltung zu einer Kampagne gegen den Felsenkeller aufgrund seiner israelsolidarischen Haltung uminterpretiert.
Auch wenn es in Leipzig vermeintliche “Linke” gibt, die genau darin das Problem bei Veranstaltungen im Felsenkeller sehen, war dies in keiner Weise Thema des offenen Briefes und der Recherchen zu den auftretenden Bands. Uns stellt sich vielmehr die Frage, warum Bands wie “Darkwood” und “Der Arbeiter”, die sich durch Antisemiten und Nazis inspiriert fühlen, überhaupt auftreten konnten.
Mit vielen der von “Leipzig gegen rechts” formulierten Kritikpunkte haben sich weder Bands noch Veranstaltende ernsthaft auseinandergesetzt, noch nicht einmal glaubhaft von allem Abstand genommen. Es gab zwar seitens Veranstalter, “Darkwood” und “Espacio Vital” halbgare Statements, die jedoch zum Teil wieder entfernt wurden. “Espacio Vital” hat zudem durch kommentarloses Löschen von Social-Media-Posts zumindest oberflächlich versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben.
Dennoch waren für den Felsenkeller zu keinem Zeitpunkt der Debatte die Bands oder die Veranstaltung an sich das Problem. Den Verantwortlichen war allein daran gelegen, die kritische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass offensichtliche Neonazis als Besucher*innen unerwünscht seien und auf dem Konzert auch keine verbotenen Symbole gezeigt werden dürften, weil dies verboten sei. Wenn das 2026 der politische Anspruch eines Kulturraumes ist, obwohl der (bürgerliche) Faschismus seit Jahren um sich greift, dann sagt dies schon einiges über einen Laden aus.
Überzeugen wollte man die Kritiker*innen des Neofolk-Konzertes jedenfalls im direkten Gespräch. Zweimal wurden die Unterzeichner*innen des offenen Birefes dazu in den Felsenkeller eingeladen. Und während Geschäftsführer Jörg F. der Meinung ist, dass bei diesem Austausch “auf Augenhöhe […] vieles geklärt werden [konnte]” und sich “das allermeiste als so nicht haltbar erwiesen [hat]” (3), verweisen wir nochmal auf die bis dato nicht widerlegten Rechercheergebnisse. Das linXXnet und INTERIM haben selbst ein Statement zu den Gesprächen mit dem Felsenkeller veröffentlicht und erweitern in diesem die vorgebrachte Kritik zu “Darkwood”. (4)
Bei den Gesprächsrunden war auch der Veranstalter des Konzertes zugegen gewesen. Hier stellt sich uns die Frage, warum wir uns gerade vom ihm bescheinigen lassen sollten, dass sein Booking ganz unverfänglich sei, obwohl er laut Rechercheportal Periskop selbst Kontakte in die Szene zu pflegen scheint und an einer rechten Wanderung gemeinsam mit völkischen Musiker*innen und AfD-Politiker*innen teilgenommen hat. (5)
Uns ist schon klar, dass es einen Unterschied gibt zwischen eindeutigen Rechtsrockkonzerten und rechten Neofolk-Abenden wie im Felsenkeller. Aber gerade weil klassische Rechtsrock-Veranstaltungen aus Gründen seltener geworden sind, darf die Rolle von Grauzonen-Konzerten und Bands, die mit NS-Ästhetik und – Gedanken sympathisieren, nicht unterschätzt werden. Nicht selten nehmen sie eine Ersatzfunktion ein und bilden das Schanier zwischen rechtsoffenen Milieus und der organisierten Neonaziszene.
Anscheinend muss die Bedeutung von derlei Veranstaltungen auch erst noch in der Leipziger antifaschistischen Bewegung ankommen. Trotz größerer öffentlicher Debatte fanden sich zu der Kundgebung gegen das rechte Neofolk-Konzert Ende Januar nur knapp 25 Leute vor dem Felsenkeller ein.
Wir sind es Leid die immer gleichen Debatten führen zu müssen, ab wann etwas rechts genug ist, um sich damit auseinandersetzen zu müssen. Währenddessen haben eingangs erwähnte “Death in Rome” auch dieses Jahr im Rahmen des WGT ein rechtsoffenes “Klassentreffen” auf dem Südfriedhof abgehalten und nur wenige Tage später ihrer Vorstellung von einem durch Nazi-Ufos zerstörten Connewitz musikalischen Ausdruck verliehen. (6)
Und damit wir das offensichtliche nochmal erwähnt haben: Von den agierenden autoritären K-Gruppen und dem Antisemitismus mit dem sich der Felsenkeller die vergangenen Wochen konfrontiert sah, halten wir selbstverständlich nichts. Jedoch gilt unsere Solidarität in erster Linie denen, die wissen, dass man die extreme Rechte bekämpft und sie nicht auf die Bühne holt.
Nach allen Gesprächen, Texten und gehörten Podcasts (7) bleibt ein Bild vom Felsenkeller, der weder in seiner Positionierung gegen Antisemitismus ernst zu nehmen ist, noch als ein Verbündeter im Kampf gegen (Neo) Faschismus, Rassismus und Antifeminismus zu betrachten ist.
(1) https://ladenschluss.noblogs.org/2025/06/06/felsenkeller-saalschlacht-reloaded/
(2) https://leipziggegenrechts.noblogs.org/band-hintergruende/, https://periskop.noblogs.org/post/2026/01/27/rechte-neofolk-konzerte-im-leipziger-felsenkeller/
(3) https://www.lvz.de/lokales/leipzig/leipzig-interview-mit-felsenkeller-geschaeftsfuehrer-joerg-folta-RJ436TQI7ZEAJI6U4ZY2N37I5I.html
(4) https://www.linxxnet.de/2026/06/04/erklaerung-zu-unserer-unterschrift-zum-offenen-brief-neofolk-night-im-felsenkeller/
(5) https://periskop.noblogs.org/post/2026/01/27/rechte-neofolk-konzerte-im-leipziger-felsenkeller/
(6) https://knack.news/16587
(7) https://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2026/01/felsenkeller-safespace-herzen-bestie-644812
