Nein, das WGT ist kein Neonazi-Festival, und ja, da treten genügend unproblematische, vielleicht sogar politisch progressive Bands auf. Dennoch sind jedes Jahr auch Gruppen eingeladen, die NS-Ästhetik verbreiten oder Verbindungen in die extreme Rechte haben.
Das zieht auch die entsprechenden Besucher*innen an, die das Festival wohlwollend rezipieren. Über das WGT 2025 gabs zum Beispiel einen dreiteiligen Festivalbericht in der Parteizeitung der Freien Sachsen, geschrieben vom NPD-Kader Arne Schimmer. Eine Auseinandersetzung mit solcher Vereinnahmung ist bei den WGT-Verantwortlichen nicht wahrzunehmen. Daher unser Servicepost, um auch dieses Jahr auf problematische Acts hinzuweisen.

Bericht über das WGT 2025 im „Aufgewacht“-Magazin der Freien Sachsen
Triarii (22.05., Volkspalast)
Ein-Mann-Projekt mit Songs, die der Kunst des NS-Bildhauers Arno Breker gewidmet oder vom Werk der Neonazi-Esoterikerin Savitri Devi inspiriert sind. Eines der Albumcover zeigt eine Reichsadler-Skulptur aus dem NS. Das problematische an solcher Ästhetik wurde bereits mehrfach aufgeschrieben. (1)

Cover des Triarii Albums „Muse in Arms“
Vrîmuot (22.05., Volkspalast)
Projekt mit Verbindungen zu der IB-nahen, männerbündisch/völkischen Gruppe „Wölfe Nordland“. Die “Wölfe Nordland” sind als deutscher Ableger der internationalen neopaganen Gruppe “Operation Werewolf” zu verstehen. Es ist nicht der erste Auftritt von Vrîmuot in Leipzig, bereits 2019 zum rechten Neofolk-Festival „Fire & Sun“ am Schloss Knauthain aufgetreten. (2)

Ein Musiker von Vrîmuot mit Patches, die auf „Operation Werewolf“ Bezug nehmen (Quelle: Instagram)
Rome (23.05., Parkschloss)
Aufgrund inhaltlicher Uneindeutigkeiten, wie z.B. Antimodernismus, fragwürdige Bezugnahmen auf ein „geheimes Europa“, Anti-Migration und den Nazi-Fan Ernst Jünger, hat „Rome“ seit Jahren eine große Fanbase in der („neuen“) extremen Rechten und wird auch entsprechend rezensiert. Bisherige Abgrenzungsbemühungen reichen da wohl kaum, die Geister, die ich rief und so weiter.

Lobende Worte für die Musik von Rome auf dem Blog der extrem rechten Sezession
Death in Rome (25.05., Südfriedhof)
Ein NS-Kriegsverbrecher auf dem Plattencover, Leni Riefenstahl Filme als Musikvideo. „Death in Rome“ haben erst letztes Jahr auf dem WGT gespielt und sind daher dieses Jahr nicht offiziell gelistet, haben jedoch für Montag den 25.05. ihr jährliches „Klassentreffen“-Konzert auf dem Südfriedhof angekündigt. (3) Mit dabei sein wird wahrscheinlich auch „Herr Lounge Corps“, der u.a. Live-Mitglied bei „Death in June“ ist. (4)

Werbung für das „Klassentreffen“ der Band Death in Rome (Quelle: Facebook)
Lisa Eckhardt (24.05., agra-Halle)
Passend zum Sound der Rechten ist auch die Kabarettistin Lisa Eckhardt im WGT-Line-Up angekündigt, die mit ihrem „Anti-Wokeness“-Gebrabbel und antisemitischen Witzen bei so einigen Besucher*innen auf offene Ohren stoßen dürfte.
